Tagesspiegel, 20.6.09

 

THEATER


Herzensarm: „Tötet die Traurigen...“ im Ballhaus Ost


Es wird zurzeit viel über die Krisenkinder diskutiert, jene prekär Beschäftigten, die nichts als Schulden erben werden. Was aber ist mit denen, die gar kein Geld wollen, sondern große Gefühle? Wer spricht über die Nöte junger Bühnenschaffender, deren Glauben nicht durch die wirtschaftlichen Verwerfungen erschüttert wurde, sondern durch René Polleschs Attacken auf den Formenkanon des bürgerlichen Theaters? Nun, zumindest einer, der Nachwuchsregisseur Malte Schlösser. „Tötet die Traurigen und die Welt wird fröhlicher“ heißt sein Diskursabend für die Erben der Volksbühne am Ballhaus Ost (wieder am 20., 26. und 27.6.).


Schlösser, studierter Philosoph, betreibt einen Kassensturz für die herzensarmen Sinnsucher von Heute, deren Hausgötter nur Theorietrümmer hinterlassen haben. „Ich kann einfach nicht glauben, dass ich hier die größten Kunstanstrengungen bemühe, mir zehnmal René Pollesch angucke und auch lernbereit bin und es nicht schaffe, die Geschichte des Ikonoklasmus, der Repräsentationskritik zu beenden“, lautet ein Kernsatz dieser radaupoetischen Unternehmung. Schlössers Schauspielerinnen, Nadine Dubois, Simone Jaeger und Kristof Gerega, fragen pfiffig nach den Möglichkeiten, authentisch von sich selbst zu erzählen.


Patrick Wildermann